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Antworten der Parteien

5. Erreichbarkeit der psychotherapeutischen Versorgung für Menschen aus mehrfach belasteten/prekären Lebenslagen

Wie stellen Sie die Erreichbarkeit der psychotherapeutischen Versorgung für Menschen aus mehrfach belasteten/prekären Lebenslagen, insbesondere für Kinder/Jugendliche und ältere Menschen, sicher? Welche alternativen Versorgungsmöglichkeiten sollen hierbei zusätzlich zu den vorhandenen entwickelt werden?

Um die psychotherapeutische Versorgung in prekären Situationen geht es in der fünften Frage unserer DGVT-Fachgruppe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und unserer Fachgruppe Ältere Menschen in der psychosozialen Versorgung. Der Podcast von Prof. Dr. habil. Eva-Marie Kessler ist ein Ratgeber für Depression im Alter.  

 

 

Menschen aus mehrfach belasteten Lebenslagen haben oftmals einen komplexen Behandlungsbedarf. Zum einen braucht es hier einen möglichst niedrigschwelligen, aufsuchenden Zugang zu Hilfsangeboten. Das erfordert zum Beispiel den flächendeckenden Ausbau mit psychosozialen Krisendiensten. Auch ein flächendeckender Ausbau der Soziotherapie ist notwendig, um Menschen zu erreichen, die nicht in der Lage sind, ärztliche oder ärztlich verordnete Leistungen in Anspruch zu nehmen. Den weiteren Ausbau von Komplexleistungen, die koordinierte Hilfen aus unterschiedlichen SGBs ermöglichen, wollen wir GRÜNE fördern.

 

CDU und CSU sorgen dafür, allen Bürgerinnen und Bürgern einen wohnortnahen und möglichst barrierefreien oder einen digitalen Weg zur psychotherapeutischen Versorgung zu ermöglichen. Eine gute und umfangreiche medizinische Versorgung, die alle Bedarfe abdeckt und die Menschen auch tatsächlich erreicht, ist für uns der Maßstab. Deshalb werden wir an den Krisenhilfen vor Ort festhalten. Wichtig sind aber auch trägerübergreifende Beratungsstrukturen. Daher begrüßen wir es sehr, dass die Bundesregierung im Herbst letzten Jahres die "Offensive Psychische Gesundheit" gestartet hat und werden diese weiter begleiten. Die im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eingeleitete Reduzierung der Wartezeit auf eine psychotherapeutische Behandlung werden wir weiter vorantreiben und dort, wo es notwendig ist, die Zahl der Sitze für niedergelassene Psychotherapeuten erhöhen. Das gilt insbesondere für das psychotherapeutische Behandlungsangebot für Kinder und Jugendliche. Außerdem werden wir uns dafür einsetzen, dass im Rahmen der psychotherapeutischen Versorgung auch Fernbehandlungen und internetbasierte Interventionen bei ärztlichen und psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten möglich bleiben, wenn sich das als ein geeignetes Therapie- und Beratungsangebot herausstellt.

 

Insbesondere in der psychotherapeutischen Versorgung gewährleistet die heutige Bedarfsplanung keine flächendeckende Versorgung. Sie muss dringend überarbeitet und die Zahl der Kassensitze erhöht werden. Zugleich müssen die einzelnen Versorgungsbereiche für Menschen mit psychischen Problemen von ambulanten und stationären Angeboten des Gesundheitssystems aber auch Kriseninterventions- und sozialpsychiatrische Diensten, Jugendhilfe, Drogenhilfe, psychosoziale Beratung und anderen Bereichen miteinander verzahnt und aufeinander abgestimmt werden. Die Erfahrung zeigt, dass zur Versorgung von gesellschaftlich benachteiligten Menschen (zum Beispiel Langzeitarbeitslose, bestimmte migrantische Gruppen, Wohnungslose etc.) konkret zugeschnittene, meist aufsuchende Angebote notwendig sind. Das ist umso wichtiger, da sich psychische Erkrankung und schwierige Lebenssituation oft gegenseitig verstärken und ohne psychotherapeutische/psychosoziale Versorgung der Kreislauf oft nicht zu durchbrechen ist.

 

Als Freie Demokraten setzen wir auf niedrigschwellige Angebote und Aufklärung, die etwa in Hilfseinrichtungen oder über Ärzte verfügbar beziehungsweise erreichbar sein sollen. Außerdem wollen wir die Wartezeiten auf einen Therapieplatz reduzieren, den Ausbau von Therapieplätzen fördern sowie Prävention und Aufklärung stärken. Die schulpsychologischen Beratungsangebote wollen wir ausbauen. Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter erfüllen bei der Erreichbarkeit von Kinder und Jugendlichen eine wichtige Aufgabe.

 

Die Versorgung von Patient*innen in prekären Lebenslagen ist eine besondere Herausforderung, da verschiedene Sozial- und Fürsorgeträger koordiniert werden müssen, um eine ganzheitliche Versorgung zu gewährleisten. Wir setzen hier vor allem auf die Etablierung von Komplexleistungen für eine berufsgruppenübergreifende, koordinierte und strukturierte Versorgung, wie sie derzeit noch im G-BA für schwer psychisch kranke Patient*innen erarbeitet werden. Derartige Formen der Zusammenarbeit versprechen generell eine adäquate Versorgung von psychisch kranken Menschen und sind für uns als SPD ein Leitmotiv für eine zukunftsorientierte Versorgung. Wir haben als SPD außerdem gerade auch gegen die Widerstände unseres Koalitionspartners für die Einführung stationsäquivalenter psychiatrischer Behandlung bzw. das Hometreatment gesorgt und die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen für Vertragsabschlüsse zur Versorgung mit Soziotherapie geschaffen. Hier ist klar, dass das Angebot langfristig den Bedarfen folgen muss.

 

Informationen und weiterführende Links: