Achter Internationaler Kongress für Verhaltensmedizin vom 25. - 29. August 2004 in Mainz
In den Räumlichkeiten des im 17. Jahrhundert erbauten Kürfürstlichen Schlosses nahmen über 800 Wissenschaftler an einem spannenden Programm teil. Mit Teilnehmern aus 54 Ländern von allen sechs Kontinenten war dies einer der größten ICBM-Kongresse überhaupt. Im knapp 400 Seiten umfassenden Abstractband werden mehr als 850 Präsentationen beschrieben. Vorsitzender Professor Neal Schneiderman aus Miami (USA) und sein wissenschaftliches Komitee sorgten für ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm. Nur als Beispiele seien hier die Beitragsreihen zu kardiovaskulären Erkrankungen, Krebs, Sport & Bewegung, arbeitsbezogene Gesundheit, HIV und Asthma genannt. Die meisten führenden Experten der Verhaltensmedizin aus der ganzen Welt reisten an. Dank des gut koordinierten örtlichen Organisationskomitees war der Ablauf reibungslos und ohne größere Probleme. Die Stimmung unter den Teilnehmern war gut, so dass viele die Gelegenheit für einen internationalen wissenschaftlichen Austausch nutzten. Erfreulicherweise konnten mehrere Dutzend Kollegen aus Osteuropa, u.a. aus Russland, Ungarn und Rumänien, ebenfalls am Kongress teilnehmen. Im Vorfeld sowie auch im Nachhinein gab es ein sehr großes Medienecho in nationalen Print- und Funkmedien über den Kongress sowie über spezifische Themen der Verhaltensmedizin.
Viele Teilnehmer besuchten bereits die Workshops, die von internationalen Forschern in ihren jeweiligen Spezialgebieten vor der Hauptveranstaltung gehalten wurden. Die Workshops, wie z. B. "Stressmanagement für Patientinnen mit Brustkrebs", "Verhaltenstherapie bei Chronic Fatigue Syndrome" oder "Praktische Anwendungen des transtheoretischen Modells", boten die Gelegenheit zu intensiven Diskussionen sowie zur praktischen Erprobung verhaltensmedizinischer Strategien und Manuale.
Alle drei Keynote Speaker, Prof. Sheldon Cohen aus Pittsburgh (USA), Prof. Herta Flor aus Mannheim sowie George Kaplan aus Michigan (USA), lieferten bemerkenswerte Einblicke in ihre langjährigen Forschungsfelder. Als Master Lecturerer waren Prof. Mike Antoni aus Miami (USA), Prof. Clemens Kirschbaum aus Dresden, Prof. Johannes Siegrist aus Düsseldorf, Prof. Jane Wardle aus London (GB) und Prof. Anuar Zaini aus Kuala Lumpur (Malaysia) eingeladen. Mike Antoni stellte die Evaluation eines kognitiv-behavioralen Stressmanagement-Trainings für dreihundert an Brustkrebs erkrankten Patientinnen vor. Er konnte zeigen, dass diese Intervention nicht nur die klinisch erhöhten Werte für Depression und für spezifische intrusive Gedanken verbesserte, sondern auch eine Reihe von positiven Effekten auf das Immunsystem hatte. Seine Ergebnisse lassen vermuten, dass Stress-Management möglicherweise auch positive Einflüsse auf den Verlauf der Krebserkrankung selbst haben könnte, was eine enorme Bedeutung für den Stellenwert der Verhaltensmedizin in der wissenschaftlichen und politischen Öffentlichkeit haben könnte. Der Vortrag von Johannes Siegrist handelte vom Einfluss ungünstiger Arbeitsbedingungen auf stressbezogene Erkrankungen, wie z. B. koronare Herzerkrankungen, Depression und Typ-II-Diabetes. Für Siegrist und seine Arbeitsgruppe steht die berufliche Gratifikationskrise im Vordergrund, die durch ein Missverhältnis von hohem persönlichen Einsatz am Arbeitsplatz einerseits und einer unzureichenden Belohnung auf der anderen Seite gekennzeichnet ist. Die Ergebnisse der Forschergruppe zeigen, dass dieses Missverhältnis zu einem zweifachen Risiko für genannte stressbezogene Erkrankungen führt. Unter solchen Arbeitsbedingungen wird im Tagesverlauf mehr Cortisol ausgeschüttet. Auch steigen Blutdruck und Herzfrequenz während der Arbeit stärker als gewöhnlich an. Siegrist folgert, dass die Behebung des Ungleichgewichts zwischen Anstrengung und Belohnung sich nicht nur auf die Gesundheit der Mitarbeiter, sondern mittelfristig auch betriebswirtschaftlich auswirken könnte.
Zu guter Letzt lässt sich vom Kongress berichten, dass viele Teilnehmer Vergnügen an den sozialen Aktivitäten fanden. Nach dem Buffet aus internationalen, nationalen sowie rheinhessischen Spezialitäten wagten fast alle Teilnehmer des Kongressabends den einen oder anderen Tanz. Vielen wird die Abschlussfeier am letzten Nachmittag in Erinnerung bleiben, die von der thailändischen Gesellschaft für Verhaltensmedizin ausgerichtet wurde. Die Musik, die thailändischen Snacks sowie die herzliche Freundlichkeit der Gastgeber gaben Anlass für Viele, sich bereits auf den nächsten Kongress in zwei Jahren in Bangkok (29.11. - 2.12.2006) zu freuen.
Anschrift:
Dr. Gaby Bleichhardt
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Mainz
Staudinger Weg 9, 55099 Mainz
E-Mail: bleichha@uni-mainz.de