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Prävention

Anhörung zur Einführung der Disease-Management-Programme (DMP) bei Typ-2-Diabetes und Brustkrebs am 17. Juni 2002 in Bonn

22. Februar 2007

Am 17 Juni 2002 fand in Bonn auf Einladung des Bundesministeriums für Gesundheit die Anhörung von Vertretern der Verbänden und Organisationen zur Einführung der DMP-Progamme für Patienten mit Typ-2-Diabetes oder Mammakarzinom statt.

 

 

Das Bundesministerium für Gesundheit hatte einen Koordinierungsausschuss beauftragt, unter hohem Zeitdruck, eine Vorlage, d.h. einen ersten Entwurf mit Kriterien für die Zulassung entsprechender DMP-Programme, zu entwickeln, die Grundlage der Anhörung war. In den ersten Ausgaben der Kriterienvorschläge fehlten psychosoziale Gesichtspunkte fast vollständig. In der Folgezeit sind von Seiten der Fachgesellschaften und Verbände leitliniengestützte Therapiekonzeptionen sowohl dem Ministerium als auch dem Koordinierungsausschuss vorgelegt worden. In der Anhörung wurden diese Anmahnungen zur Einbeziehung psychosozialer Therapieansätze in die programmatische Ausgestaltung nochmals konkretisiert.
Ergänzungsvorschläge zu den Empfehlungen des Koordinierungsausschusses bezogen sich

    1. auf die Ausgestaltung der Therapieziele im Sinne einer Erweiterung um psychosoziale Zielwerte (wie die Vermeidung bzw. Reduktion krankheitswertiger psychischer Beeinträchtigung oder sozialer Komplikationen der Erkrankung)
    2. auf die Erweiterung der formulierten Basistherapiemodule um Therapieansätze zur Förderung der Krankheitsbewältigung und der Verhaltens- oder Lebensstiländerung ( z.B. des Ernährungsverhaltens oder des Rauchens)
    3. auf die Einbeziehung psychosozialer Therapieangebote in die integrierte Versorgungsstruktur
    4. auf die Ausrichtung der Patientenschulung gemäß dem Empowerment-Ansatz und der patientenzentrierten Behandlung.

Diese Aspekte wurden im Konsens von verschiedenen Vertretern der psychotherapeutischen Verbände vorgetragen (AGPF, AGR, Allianz, Verein „Diabetes und Psychologie“, DGVT, GK II, STÄKO, BDP).
Weitere kritische Gesichtspunkte anderer Interessensverbände waren:
• die mangelnde Einbeziehung der Fachverbände in die Formulierung der Empfehlungen des Koordinierungsausschusses, insbesondere bezüglich der Ausgestaltung von evidenzbasierten Standards zur Behandlung.
• die Finanzierung der Programme aus dem Risikostrukturausgleichstopf der Krankenkassen. Damit ist die Einflussnahme der Kostenträger auf die Formulierung der Behandlungsstandards gemeint.
• der nicht genügend gesicherte Datentransfer zwischen Leistungserbringer und Kostenträger.
• die Einbeziehung weitere Berufsgruppen (z.B. Orthopäden) und komplementärmedizinische Behandlungsansätze, die sich nicht genügend berücksichtigt fühlen.
Ansonsten haben fast alle zu Wort gekommenen Verbandsvertreter, gerade auch der Betroffenenverbände, die Einführung eines „vernünftigen“ Programmes zur sekundären Prävention für Patienten mit chronischer Erkrankung begrüßt.

FAZIT


Nach Kenntnisnahme der mit dem 1.7.2002 gültig gewordenen Rechtsverordnung muss leider feststellt werden, dass kaum eine Ergänzung in dem nachfolgend veröffentlichten Referentenentwurf (RSAV) berücksichtigt worden ist.
Lediglich eine sehr weiche Anregung des Hausarztes zu prüfen, ob ein Patient von psychotherapeutischen Maßnahmen profitieren könnte, weist auf das große Feld psychosozialer Therapieansätze bei Typ-2-Diabetikern hin.
Nach dem letzten Stand hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) aus Gründen des Datentransfers und der aus ihrer Sicht nicht gewährleisteten Datensicherheit das Programm abgelehnt. So werden voraussichtlich regionale Vereinbarungen die zukünftigen Programme umsetzen. Dem gemäß ist ein struktureller „Wildwuchs“ an verschiedenen regionalen Konzepten zu erwarten.
Voraussichtlich ist die Positionierung von psychosozialen Therapieansätzen in den DMP-Programmen dann nur im Rahmen von gesonderten Vereinbarungen mit regionalen Kassenvertretern oder Schulungsvereinen/-einrichtungen zu regeln.

Klaus-Martin Rölver,
Diabetes -Zentrum Quakenbrück
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