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Aktuelles

Bedrohung Brustkrebs - Allheilmittel Mammografie?

15. Januar 2007

Bundesweites Brustkrebs-Screening soll 2005 beginnen / Broschüre des Nationalen Netzwerkes Frauen und Gesundheit informiert über Vor- und Nachteile

 

Diagnose Brustkrebs: Viele Frauen befürchten, im Laufe ihres Lebens am Mamma-Karzinom zu erkranken. Vor diesem Hintergrund klingt es bestechend, die Sterberate durch Reihenuntersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs zu senken. Ab 2005 sollen alle Frauen von 50 bis 69 Jahren alle zwei Jahre zum"Mammografie-Screening" eingeladen werden. Ärzteschaft und Politik erhoffen sich davon einen Rückgang der Sterbefälle um 25 Prozent. In anderen Worten und realistischer ausgedrückt: Nur noch sechs statt acht von 1000 Frauen würden in einem Zeitraum von zehn Jahren an Brustkrebs sterben. Das heißt: Zwei von 1000 Frauen würden von der Früherkennungsmammografie profitieren.

Jeder Todesfall weniger ist ein Gewinn. Darum sagt die Northeimer Frauenärztin Dr. Claudia Schumann vom bundesweiten Arbeitskreis Frauengesundheit: "Keine Frau weiß, ob sie die eine ist, die von der Mammographie profitiert - deshalb muss ihr die Chance für dieses Quäntchen an Zusatzsicherheit angeboten werden." Sie setzt jedoch hinzu: "Aber unter Umständen wird das bezahlt mit Überdiagnostik und Übertherapie."

Broschüre bietet erstmals Grundlage für eine informierte Entscheidung

Hoffnung und Realität. Nötig seien umfassende Informationen als Entscheidungsgrundlage, sagt die Frauenärztin. Hier setzt die Broschüre "Brustkrebs Früherkennung - Informationen zur Mammografie - eine Entscheidungshilfe" vom "Nationalen Netzwerk Frauen und Gesundheit" an. Diese will einen Wandel im Umgang mit Patientinnen und Verbraucherinnen einleiten. Sie liefert erstmals in Deutschland umfassende Informationen, damit Frauen besser entscheiden können, ob sie zur Mammografie gehen oder nicht. Diese Art der Aufklärung ist eine Rarität: Nach einer aktuellen dänischen Studie beispielsweise benannten weltweit nur sieben von 27 Informationsangeboten im Internet die Probleme der röntgenologischen Früherkennung.

Die Broschüre beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Formen von Brustkrebs. Und beschreibt, was die Mammografie leisten kann und was nicht. Beispielsweise wird die Mammografie vielfach mit "Vorsorge" gleichgesetzt. Doch kann sie den Brustkrebs nicht verhindern, sondern sie entdeckt ihn früher. Eine frühzeitige Diagnose verlängert in manchen Fällen nur den Leidensweg von Patientinnen. Auch konnte bisher keine Studie belegen, dass durch Screening weniger invasive Operationen und Therapien nötig sind.

Gerade besonders bösartige Tumoren wachsen so schnell, dass sie selten durch die Momentaufnahme einer Mammografie festgestellt werden. Neben dem "falsch-negativen" Befund ist aber auch der "falsch-positive" Befund keine Seltenheit. In diesem Fall deutet das Röntgenbild fälschlich auf einen Tumor hin-  ein Angst auslösender Irrtum, der erst durch weitere Untersuchungen ausgeräumt werden kann. Außerdem werden vermehrt Vorstufen von Brustkrebs (sog. DCIS) entdeckt, von denen nicht vorherzusagen ist, ob sie sich tatsächlich je zu Lebens bedrohendem Brustkrebs entwickeln werden - trotzdem wird in diesen Fällen zur Operation geraten. Es kann sein, dass Frauen durch eine Therapie geschädigt werden, obwohl dieser Befund nie ihr Leben bedroht hätte.

Die wissenschaftliche Beratung bei der Erstellung des Textes übernahm die Hamburger Gesundheitswissenschaftlerin und Ärztin, Professor Dr. Ingrid Mühlhauser, die in einem Interview ausführlich zu Wort kommt. Die Wissenschaftsjournalistin Dr. Eva Schindele übersetzte komplexe wissenschaftliche Fakten in knappe Informationen für Nicht-Medizinerinnen und ließ Frauen auch selbst über Ängste, Hoffnungen und Zweifel sprechen. Die Finanzierung der 34-seitigen Broschüre übernahm die Gmünder Ersatzkasse.

 

Hinweis für Leserinnen und Leser:

Nationales Netzwerk Frauen und Gesundheit (Hrsg.): "Brustkrebs Früherkennung - Informationen zur Mammografie - eine Entscheidungshilfe", 34 Seiten, Bezug von Einzelexemplaren bitte mit einem frankierten DIN A-5-Rückumschlag (selbst klebend), versehen mit 0,77 Euro, eigener Anschrift und dem Hinweis "Büchersendung" senden an:
Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen e.V., Fenskeweg 2, 30165 Hannover

Kostenlose Exemplare können bei den Betreuungsstellen der GEK (Gmünder Ersatzkasse) abgeholt werden. Über die Adressen der Stellen vor Ort informiert die GEK unter: www.gek.de  oder über Telefon: 0800-43 54 636

Das Nationale Netzwerk ist ein Zusammenschluss von: AG Frauen und Gesundheit in der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) - AG Frauen in der psychosozialen Versorgung der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. (DGVT) - Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) - Arbeitskreis Frauen- und Geschlechterperspektiven in Public Health - Bundesverband der Frauengesundheitszentren in Deutschland e.V. - Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe e.V. (DGPFG) - Deutscher Ärztinnenbund e.V. - Forum Frauengesundheit Bremen - Netzwerk Frauen/Mädchen und Gesundheit Niedersachsen - Bundesfachverband Essstörungen - Reprokult: Frauen Forum Fortpflanzungsmedizin - Bund Deutscher Hebammen

Für weitere Informationen stehen zur Verfügung:

  • Dr. Regine Rapp-Engels, Vorstand Deutscher Ärztinnenbund Tel. 0251 - 233671
  • Dr. Claudia Schumann, Gynäkologin, Arbeitskreis Frauengesundheit (AKF)
    Tel. 05551 - 3483
  • Ulrike Hauffe, Landesbeauftragte für Frauen des Landes Bremen / Vorstand Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe
    Tel. 0421 - 361 3133
  • Dr. Ingrid Mühlhauser, Professorin für Gesundheitswissenschaften,
    Universität Hamburg, Tel. 040 - 428 383 988

Pressearbeit für das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit:

Bremer Medienbüro, Elsasser Str. 27, 28211 Bremen, Beate Hoffmann
Telefon: 0421 - 34 31 70, E-Mail: bmbhoffmann@aol.com

Quelle: VPP 1/2005