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VPP 1/2016

Bericht anlässlich der 14. DGVT-Praxistage der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie am 07. und 08. November 2015 in Hannover

28. Januar 2016
 

Die 14. DGVT-Praxistage standen unter dem Motto: “Denkste! Zur Bedeutung von Kognitionen für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie” und fanden 2015 in Hannover statt. Die engagierte Vorbereitungsgruppe, bestehend aus der DGVT-Fachgruppe Kinder und Jugendliche und der AWK der DGVT, hatte ein buntes und abwechslungsreiches Programm rund um das zusammengestellt, was denn da bei Kindern und Jugendlichen im Kopf so passiert. Grundgedanke war, der Bedeutsamkeit kognitiver Entwicklungen und Veränderungen im Kindes- bzw. Jugendlichenalter einen angemessenen Stellenwert einzuräumen. Und so fanden dann am 07. und 08. November 180 Personen (TeilnehmerInnen, ReferentInnen und das Organisations-Team) den Weg in der Elsa-Brändström-Schule in Hannover. 

Gleich zu Beginn der Praxistage gelang es Herrn Prof. Romuald Brunner aus Heidelberg ganz trefflich im Rahmen seines Eröffnungsvortrages mit dem Titel “Gehirnentwicklung in der Pubertät: Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Störungen?” den Grundgedanken mit Leben zu erfüllen. So ging Prof. Brunner nicht nur auf aktuelle Forschungsergebnisse (sowohl eigener als auch kollegialer Fragestellungen) ein, sondern ermöglichte anhand entsprechender Scans und umfangreichem Material aus modernsten bildgebenden Verfahren auch einen “echten Blick” in das Gehirn. Er nahm sein Publikum auf eine faszinierende Reise mit, um Fragen der Genese psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter im Fokus neuronaler Netzwerkstrukturen nachzugehen.

Darüber hinaus wurden am Samstag und Sonntag jeweils sechs Workshops angeboten, die im Schnitt von rund 20 TeilnehmerInnen besucht wurden. Die Inhalte umfassten u. a. Aufbau sozialer Kompetenzen bei Autismus-Spektrums-Störungen, kognitiv-behaviorale Interventionen bei Lern-Leistungsstörungen, Kinderängste und EEG-Biofeedback. Um zwei Beispiele herauszugreifen:

Eberhard Freitag bot in seinem Kurzworkshop “Auswirkungen von (regelmäßigem) Pornographiekonsum auf die Entwicklung von Jugendlichen” für die Mehrheit der TeilnehmerInnen neue und mehr oder weniger beunruhigende Einblicke. Unterfüttert durch entsprechende Forschungsergebnisse nationaler und internationaler Erhebungen sowie einen Einblick in die Historie der Sexualpädagogik spannte der Referent einen großen Bogen. Fragen wie: “Was bedeutet es, wenn die Medienverfügbarkeit um so viel größer ist als die psychosoziale Reife?”, “Welche Rolle hat die im Jugendlichenalter nur bedingt vorhandene oder fehlende Steuerungsfähigkeit bei PC-/Medien-/Pornokonsum?” oder “Wie verhängnisvoll ist es für die Entwicklung der Jugendlichen, dass Pornographie Erregungs-, Beruhigungs-, Kontroll- und Fantasiebedürfnisse alle gleichermaßen gut und schnell zu erfüllen vermag?” regten intensive Diskussionen und kollegialen Austausch an. Am Ende des Tages verließen die TeilnehmerInnen den Workshop mit neuem Problembewusstsein und auch Anregungen zu Handlungsmöglichkeiten.

Dieter Irblich ermöglichte den TeilnehmerInnen seines Workshops „Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung“ einen Perspektivwechsel. Neben besonderen Anforderungen an die methodische Arbeit ermutigte er zu einer bewussteren Beziehungsgestaltung, einer stärkeren Berücksichtigung des individuellen Entwicklungsstandes, zum Erschließen und Nutzen vorhandener kommunikativer Möglichkeiten, der Berücksichtigung von Rahmenbedingungen (Setting, Zeit, Hol-/Bring-Struktur, räumliche Gegebenheiten) und zu einem stärkeren Einbeziehen des sozialen Umfeldes. Fragen zur Förderung der Autonomie von Patienten und der Therapiemotivation wurden mit den TeilnehmerInnen rege diskutiert. Anhand zahlreicher Beispiele aus Erfahrungsräumen zwischen Psychotherapie und Pädagogik illustrierten Referent und WorkshopteilnehmerInnen fachliche Inhalte äußerst anschaulich. Ganz gleich ob Anfänger oder Profi in der Arbeit der Zielgruppe, in diesem Workshop war für jeden etwas dabei. Eine Teilnehmerin resümierte treffend: Es sei immer wieder eine angenehme Bereicherung, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen sich mit „Nischen-Themen“ auseinander zu setzen und letztlich vom Wissens- und Erfahrungsschatz engagierter KollegInnen zu profitieren.

Die Evaluation der Praxistage ergab ein überwiegend positives Bild. Besonders gelobt wurden die Themenauswahl und die ReferentInnen. Durch den hohen Praxisbezug konnten die TeilnehmerInnen viele neue Methoden und Handwerkszeug für Ihre tägliche Arbeit mitnehmen. Die vor Ort vom Organisationsteam wahrgenommene entspannte und positive Stimmung spiegelt sich in den Rückmeldungen der TeilnehmerInnen wider: der Veranstaltungsort sowie die Organisation wurden überwiegend sehr positiv wahrgenommen. Einige negative Rückmeldungen gab es bezüglich der gleichzeitig stattfindenden Agrarmesse in Hannover, die zu erhöhten Zimmerpreisen geführt hatte. Die Vorbereitungsgruppe versucht natürlich, solche Dinge zu vermeiden. Allerdings hat es sich auch bewährt, die Praxistage jeweils am ersten Novemberwochenende stattfinden zu lassen und somit Verlässlichkeit zu schaffen. 

Für das Organisationsteam-Team besonders erfreulich war, dass im Rahmen der 14. DGVT-Praxistage der Grundstein für eine weiterhin erfolgreiche Zukunft und ein gesichertes Fortbestehen dieser Veranstaltung gelegt werden konnte. Sowohl für die Fachgruppe Kinder und Jugendliche der DGVT als auch die AWK brachten sich neue Kolleginnen ein. Ein herzliches Willkommen an dieser Stelle an die beiden neuen SprecherInnen der Fachgruppe KiJu Constanze Lerch und Karolin Stengel sowie an Kristin Pfeifer (kooptiert bei der AWK). Das Fachgruppentreffen KiJu am Samstag war dann mit ca. 40 TeilnehmerInnen auch ein voller Erfolg. Zu Gast war Matthias Möller, Leiter der Erziehungs- und Familienberatungsstellen der Region Hannover, der einen Input zur Kooperation von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und Jugendhilfe gab. Im Anschluss gab es einen regen Austausch und es zeigte sich, dass ein hoher Bedarf an gegenseitiger Information und verbesserter Kooperation besteht.

Das Organisations-Team der DGVT-Praxistage freut sich über einen nicht Generationen-Wechsel sondern vielmehr diese gelungene Generationen-Erweiterung und blickt somit erwartungsvoll den 15. DGVT-Praxistagen 2016 in München entgegen.

Eva-Maria Greiner
Für die Vorbereitungsgruppe