Bericht der Landesgruppe Brandenburg ('Rosa Beilage' zur VPP 2/2005)
Eine psychotherapeutische Sitzung ist formal auf 50 Minuten festgelegt. Dies hat nicht nur abrechnungstechnische, sondern auch konzeptuelle und inhaltliche Gründe. Mit dieser Zeitbegrenzung wird ein formaler Rahmen für die therapeutische Arbeitsbeziehung gegeben, der Therapeut und Patient orientieren soll und durch den eine therapeutische Haltung und Wahrnehmung geschult sowie eine bestimmte Form der therapeutischen Beziehung etabliert wird.
Im Rahmen des Arbeitsprojektes "50 Minuten - ein Mythos" möchten wir als PsychotherapeutInnen die Funktionen dieser zeitlichen Normierung und Disziplinierung sichten, Leitfragen sind dabei:
- Was sind die therapietheoretischen und -praktischen Voraussetzungen und Folgen? Wie müssen Therapeut und Patient arbeiten und welche Formen des Denkens und Handelns sind hinderlich, um diesem Rahmen und dieser Konzeption zu entsprechen und sie anwenden zu können? Welchen therapeutischen Regularien und Praktiken wird entsprochen, welche werden ausgeschlossen? Wie geschieht dies?
- Welche Art von Zeitwahrnehmung und welche Art von Zeitkonzept ist implizit vorausgesetzt? Was bedeutet dies für die Begriffe von Anfang und Ende (von Therapie, Beziehung, Arbeit)?
- Welche Art von Zusammenhang besteht zwischen der zeitlichen Regulierung und dem Regelbegriff? Was für eine Art von Vereinbarung wird hier getroffen?
Hilfreich kann es sein, dieses sehr weite Feld etwas zu klären:
- Durch eine geschichtliche Aufarbeitung der zeitlichen Therapiebegrenzung: Wann, warum mit welchen Interessen von wem und wie wurde sie eingeführt?
- Durch eine funktionale Aufarbeitung des damit einhergehenden Therapiebegriffs und der therapeutischen Orientierung (Beziehung von Therapiekonzeption und Normierung/Macht).
- In welchem Zusammenhang wurde und wird das Thema der Unter- bzw. Überschreitung der 50 Minuten therapierelevant bzw. therapie- und interventionstheoretisch diskutiert?
- Wie könnten alternative therapeutische Szenarien mit oder jenseits der 50 Minuten aussehen?
Ansprechtpartner: Friedemann Belz, Henningsdorf, Frank Mutterlose, Potsdam
Der Beginn des Arbeitsprojektes ist für Frühjahr/Sommer 2006 geplant.
Anmeldung:
Aus- und Weiterbildungsreferat der DGVT, Neckarhalde 55, 72070 Tübingen
Tel.: 07071/ 943444, Fax: 07071/ 943435, Email: awk@dgvt.de