Bericht über den 43. Kongress der „European Association for Behavioral and Cognitve Therapies“ vom 25. bis 28. September 2013 in Marrakesch
„… der Kongress der Europäischen Verhaltenstherapiegesellschaft in Marokko???“ Solche und ähnliche Äußerungen waren in den Monaten vor dem diesjährigen EABCT-Kongress häufig zu hören, oft verbunden mit Befürchtungen, wie sicher die politische Lage in Nordafrika derzeit überhaupt ist… Ungeachtet dieser Bedenken war der Kongress ein voller Erfolg: die Entscheidung für Marrakesch war nach einzelnen Diskussionen unter den Delegierten sehr bewusst getroffen worden, einerseits um einen Blick „über den Tellerrand“ zu ermöglichen, andererseits um einen intensiveren Kontakt zu den (nord-)afrikanischen Verhaltenstherapie-Organisationen zu ermöglichen.
Der Kongress wurde verantwortlich von Andreas Veith, einem der European Representatives der EABCT organisiert – ebenfalls im Organisationsteam waren der Präsident der EABCT, Rod Holland und Philip Tata, der Vorsitzende des wissenschaftlichen Komitees sowie Jamal Chiboub und Nadia Kadri von der marokkanischen Verhaltenstherapiegesellschaft. Der Veranstaltungsort lag etwas außerhalb von Marrakesch in einer Oase („Palmeraie“. Die so geschaffene Klausuratmosphäre war sehr anregend und inspirierend. Die Fülle an Veranstaltungen im Rahmen des Kongresses kann auch hier nur kurz angerissen werden: unter den Pre-Congress Workshops soll stellvertretend der von Arnoud Arntz erwähnt werden, der sich mit „Imagery Rescripting for Trauma Related Problems“ beschäftigte – diese imaginationsbasierte Vorgehensweise konnte in den zurückliegenden Jahren zunehmend besser empirisch abgesichert werden und kann mittlerweile als Standardrepertoire in der Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen betrachtet werden.
Die insgesamt 92 wissenschaftlichen Symposien deckten ein breites Feld der aktuellen Forschung ab. Wie bereits in den letzten Jahren zu beobachten war, widmet sich die aktuelle KVT mittlerweile wieder häufig Störungen, die lange Zeit nicht im Fokus standen. Unter den Hauptvorträgen sollen lediglich einige wenige herausgegriffen werden: Laurence Claes von der katholischen Universität Leuven stellte neue Befunde zum Umgang mit Impulsivität bei Essstörungen vor, Jürgen Margraf (der amtierende Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie) sprach über das Thema „Short Term Therapy, Long Term Success: Optimizing Psychological Treatments“. Ebenfalls erwähnenswert ist der Hauptvortrag von Richard Bentall „The Social Origins of the Positive Syndrome of Psychosis“, in dem er, nach einer äußert anregenden und erkenntnisreichen Einführung in die Probleme der Heritabilitätsschätzung, eine Fülle von Daten lieferte, die die Bedeutung sozialer Faktoren für die Entwicklung psychotischer Störungen betonte – nach Jahren der frustrierenden Suche nach mit Psychosen assoziierten Genen ein wirklicher Lichtblick. Unter den Symposien ist das von Brynjar Haldorsson organisierte Symposium zu „Balancing Transdiagnostic and Specific Interventions and Processes in CBT“ hervorzuheben – eine der spannendsten Entwicklungen der kommenden Jahre dürfte die weitere Entwicklung transdiagnostischer Ansätze und deren empirische Prüfung (insbesondere im Vergleich zu klassischer CBT) sein.
Aus dem Bereich der EABCT sind ebenfalls neue Entwicklungen zu berichten. Eine zweite türkische VT-Organisation wurde in die EABCT aufgenommen (eine vollständige Liste der Mitgliedsgesellschaften findet sich unter www.eabct.com/). Thomas Heidenreich, einer der beiden Europadelegierten der DGVT, wurde als Training Coordinator in den Vorstand der EABCT gewählt und wird die kommenden Jahre die Tradition eines DGVT-Vertreters im EABCT-Vorstand fortsetzen, die Andreas Veith bereits vor vielen Jahren begründet hat.
2014 wird der EABCT-Kongress unter dem Titel „Bridging the gap between science and practice“ vom 10. bis 13. September 2014 in Den Haag, Niederlande ,stattfinden. Abstracts zu diesem Kongress können zwischen dem 1. September 2013 und dem 1. April 2014 eingereicht werden. 2015 wird der EABCT-Kongress in Jerusalem stattfinden (31. August 2015-04. September 2015), und der Kongress 2016 in Stockholm. Sobald konkrete Informationen vorliegen, werden wir an dieser Stelle darüber berichten. In Absprache mit den anderen deutschen Verbänden setzt sich die DGVT weiterhin federführend dafür ein, dass der Verhaltenstherapie-Weltkongress 2019 in Berlin stattfinden kann. Wir werden an dieser Stelle berichten, ob dieses spannende Vorhaben gelingen wird. Wie immer werden wir Sie hier über alles auf dem Laufenden halten, was die internationalen Verhaltenstherapie-Kongresse der kommenden Jahre angeht.
Andreas Veith und Thomas Heidenreich
Europadelegierte der DGVT