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Vereine und Verbände  • Rosa Beilage 2/2015  • Tagungsberichte 2015

Bericht vom GK II-Treffen am 18.4.2015 in Berlin

11. Mai 2015
 

Das zweimal jährlich stattfindende Treffen der Psychotherapeutenverbände (derzeit sind 34 Fach- und Berufsverbände im sog. Gesprächskreis II – GK II – zusammengeschlossen) fand am 18.4. in Berlin statt. Über 40 VerbändevertreterInnen waren der Einladung des regelmäßig wechselnden geschäftsführenden Verbands (bis zu diesem Termin DGVT, seit dem 18.4.: Deutsche Psychotherapeutenvereinigung, DPtV) gefolgt. In der Eröffnungsrunde berichtete jeder Verband über die derzeit zentralen Aktivitäten. Das gegenseitige Berichten stellt eine zentrale Funktion der GK II-Treffen dar, um immer wieder zentrale gemeinsame Themen herauszuarbeiten und um ggf. auch nach außen gemeinsam aktiv zu werden. Auch dieses Mal wurde eine gemeinsame Stellungnahme verabschiedet: Versorgungsstärkungsgesetz verschlechtert Psychotherapeutische Versorgung - Berufs- und Fachverbände kritisieren geplante Reduzierung der Psychotherapieplätze!

VAKJP, bvvp und DPtV berichteten von der durch die DPtV in Auftrag gegebene Prime Networks Studie. Ziel der Studie ist es, die Overhead-Leistungen in psychotherapeutischen Praxen zu ermitteln. Als Overhead-Kosten sind alle in den Praxen anfallenden Tätigkeiten anzusehen, die derzeit nicht kodiert werden können. Die Teilnehmenden an der Studie wurden durch die KBV mit entsprechenden Informationen der initiierenden Verbände versorgt.

Gesellschaft für Neuropsychologie GNP: Mittlerweile wurden bundesweit 125 Ermächtigungen für die neuropsychologische Therapie ausgesprochen. Es gibt allerdings weiterhin große Schwierigkeiten aufgrund der Anforderungskataloge der Weiterbildungsordnungen der Kammern.

Die GWG berichtete, dass Psychologische Psychotherapeuten in Bayern mittlerweile eine Anerkennung der Weiterbildung in Gesprächspsychotherapie durch die Kammer erhalten können.

DGSPS: Zwei neue S3-Leitlinien für Alkohol- und Tabakabhängigkeit wurden verabschiedet und werden im Herbst publiziert. Die Behandlungsleitlinien fassen den aktuellen Kenntnisstand um Diagnose und Behandlung von schädlichem und abhängigem Alkohol- und Tabakkonsum zusammen.

Die DGVT stellte in ihrem Bericht ausführlich auf die Diskussion um die Ausbildungsreform ab. Es stehe viel auf dem Spiel bei der Reform. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung werde nun, so der Wille des BMG und der Beschluss des DPT, völlig umgearbeitet - mit derzeit noch ungewissem Ausgang. Hier muss der gesamte Berufsstand darauf hin wirken und zusammenarbeiten, dass keine Qualitätsverluste eintreten! Auch dürfe die vorhandene Infrastruktur der Ausbildungsinstitute nicht gefährdet werden. Hier werden wertvolle Ressourcen in vielerlei Hinsicht vorgehalten. Auch viele andere Verbände vermittelten in ihren Berichten, dass sie sich große Sorgen machen in Bezug auf die Ausbildungsreform.

Im Verlauf des Treffens wurde von Teilnehmenden immer wieder angesprochen, dass die Ausbildungsreform bitte beachten solle, dass auch für die Arbeit beziehungsweise Tätigkeit in Institutionen ausgebildet werden muss.

Versorgungsstärkungsgesetz (VSG): Hier wird von den Verbänden mehrfach betont, dass die spezifischen Qualitäten der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten im Gesetzentwurf gar nicht vorkommen. Hier bestehe großer Nach-besserungsbedarf. Das Thema Praxisaufkauf („Soll-Regel“) wurde von allen Verbänden einhellig kritisiert.

Honorare: Eine voll ausgelastete Praxis sollte den Ertrag einer voll ausgelasteten Facharztpraxis erreichen können! Die zu erwartende Soll-Regelung und die damit verbundene Sorge, dass Sitze zukünftig nicht mehr nachbesetzt, sondern stillgelegt werden könnten, hat in der letzten Zeit zu einem Boom beim Verkauf halber Sitze geführt.

Honorar-Protest: der Beschluss des Bewertungsausschusses steht noch aus. Psychotherapeuten sind mittlerweile nicht mehr so zufrieden mit ihrer beruflichen Tätigkeit. Der Rückhalt der Mitglieder der Verbände für weitere Proteste ist da. Derzeit gehe es leider nur um eine Aufwertung von ca. sechs Euro, was nicht dem ursprünglichen Ziel der Verbände entspricht. Ob sich der derzeit geschwächte KBV-Vorstand gerade jetzt um die Psychotherapeuten-Honorare kümmern werde, sei mehr als fraglich! Der von mehreren Verbänden geplante Aktionstag am 11.5.2015 in Frankfurt „Jetzt rechnen wir selbst“ anlässlich der KBV-Vertreterver-sammlung dort sollte nachhaltig unterstützt werden.

Ein weiteres zentrales Thema war die weitere Ausgestaltung von Gruppentherapieangeboten. Es gibt derzeit ca. 4000 niedergelassene Gruppentherapeuten, von denen aber nur 300 KollegInnen auch Gruppentherapien abrechnen würden. Sehr zeitaufwändig sei das Schreiben der Berichte für Gruppentherapien. Gegen die Idee, zukünftig nur noch einen Gruppen-Bericht pro Gruppe schreiben zu können, wird von juristischer Seite eingewandt, dass die Schweigepflicht und die Persönlichkeitsrechte der Patienten innerhalb der Gruppe zu beachten seien. Die Berichtspflicht für Gruppentherapien auszusetzen, wäre eine mögliche Reformidee, die derzeit in einem Modellprojekt in Baden-Württemberg umgesetzt wird. Die KollegInnen schätzen das flexible Aufteilen in Einzel- oder Gruppentherapie. Die KBV habe signalisiert, dass man die flexible Handhabung fördern wolle. Gefordert wurde zudem, die Gutachterbefreiung für Einzel- und Gruppentherapie anzugleichen.

Internettherapie: Der GK II hat eine Arbeitsgruppe zu diesem für die gesamte Berufsgruppe wichtigen Thema eingerichtet. Ein Papier mit ersten Arbeitsergebnissen stellte Eva-Maria Schweitzer-Köhn vor. Es wurde beschlossen, dass die AG eine Diskussion über die zentralen Fragen onlinebasierter Behandlungsangebote innerhalb des GK II-Verbände-Verteilers anstoßen wird, um perspektivisch eine gemeinsame Positionierung zu entwickeln.

Heiner Vogel und Kerstin Burgdorf

Quelle: Rosa Beilage zur VPP 2/2015