Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie bestätigt Wirksamkeit der VT
KÖLN - Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie (WBP) hat dem psychotherapeutischen Verfahren der Verhaltenstherapie bescheinigt, in nahezu allen untersuchten Anwendungsbereichen als wissenschaftliche anerkannt gelten zu können. Das Ergebnis der Evaluierung über die Wissenschaftlichkeit der Methode geht auf eine von der DGVT und der Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation in Auftrag gegebene Expertise zurück. Das Gutachten, deren Erarbeitung letztlich auch von den übrigen verhaltenstherapeutischen Fachverbänden unterstützt wird, wurde von Prof. Birgit Kröner-Herwig als Leiterin einer Expertengruppe angefertigt und im August 2002 beim WBP eingereicht.
Bei Erwachsenen bestätigt der WBP die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie für zehn der elf untersuchten Anwendungsbereiche (Affektive Störungen, Angststörungen, Belastungsstörungen, Dissoziative, Konversions- und somatoforme Störungen, Essstörungen, Andere Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen, Psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten, Persönlichkeitsstörungen und Verhaltensstörungen Abhängigkeiten und Missbrauch, Schizophrenie und wahnhafte Störungen). Einzige Ausnahme ist der Bereich "Hirnorganische Störungen", für die der WBP die "Evidenzlage als noch ungenügend" erachtet. Für Kinder und Jugendliche erteilte der Beirat für sieben der sieben geprüften Anwendungsbereiche die wissenschaftliche Anerkennung. Gleichzeitig regte der WBP weitere Untersuchungen zur Evidenz bei Kindern und Jugendlichen an: "Einige der Studien basieren auf kleinen Stichproben, so dass die Generalisierbarkeit der Ergebnisse in einzelnen Anwendungsbereichen eingeschränkt ist", heißt es in der Stellungnahme.
Insgesamt kommt der Wissenschaftliche Beirat unter Vorsitz von Prof. Jürgen Margraf und Prof. Sven-Olaf Hoffmann (Stellvertreter) zu folgendem Ergebnis: "Damit liegt die Zahl der wissenschaftlich anerkannten Anwendungsbereiche sowohl für Erwachsene wie für Kinder und Jugendliche deutlich über der Zahl, die vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie für erforderlich gehalten wird, um ein Verfahren für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten nach dem Psychotherapeutengesetz zu empfehlen.
Angesichts der Breite der Methoden, Verfahren und Techniken der Verhaltenstherapie darf sich die psychotherapeutische Ausbildung nicht auf einzelne Methoden, Techniken und Anwendungsbereiche beschränken."
Die Expertise zur Beurteilung der empirischen Evidenz des Psychotherapieverfahrens Verhaltenstherapie wurde im DGVT-Verlag (dgvt-verlag@dgvt.de) veröffentlicht.
Bezugsdaten:
Birgit Kröner-Herwig
"Die Wirksamkeit von Verhaltenstherapie bei verschiedenen psychischen Störungen
Expertise zur Beurteilung der empirischen Evidenz des Psychotherapieverfahrens Verhaltenstherapie"
Hrsg. von der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) und der Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation (AVM)
2004, 152 Seiten, EUR 19,80
(ermäßigt für DGVT-Mitglieder 14,80)
ISBN 3-87159-817-8