Durchbruch oder Pyrrhus-Sieg? Jochen Weidhaas Vorsitzender der Vertreterversammlung der KBV
Schon seit Jahren schwelt der „Hausarzt-Facharzt-Konflikt“ in den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Immer wieder kommt es zu Forderungen nach einer Spaltung der KVen in eine Hausarzt- und eine Facharzt-KV. Die KV-Wahlen in Bayern und Baden-Württemberg waren besonders durch diesen Konflikt bestimmt worden (siehe hierzu „Quo vadis Kassenärztliche Vereinigungen?“ und „Wahl der Mitglieder des Beratenden Fachausschusses der KV BW“ in Rosa Beilage 1/11, S. 35f). In beiden KVen hatten sich die Hausärzte und die mit ihnen Verbündeten durchgesetzt. Dadurch schien eine Wiederwahl von Dr. Andreas Köhler als Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und Dr. Carl-Heinz Müller als sein Stellvertreter sehr unsicher.
Nach Abschluss der KV-Wahlen in Bayern und Baden-Württemberg traten mit Dirk Heinrich und Werner Baumgärtner ernstzunehmende Gegenkandidaten auf. In den Medien begann ein Schlagabtausch um Honorarpolitik, Kollektiv- und/oder Selektivverträge, Basisferne des KV-Systems und Vieles mehr. Die „Köhler-Fraktion“ sorgte dann dafür, dass die ursprünglich für den 8. April geplanten Vorstandswahlen auf den 11. März vorverlegt wurden.
Spannende Wahlen
Dr. Andreas Köhler und Dr. Carl-Heinz Müller, die bisherigen Amtsinhaber, konnten sich bei den Wahlen zum KBV-Vorstand durchsetzen. Auf seiner konstituierenden Sitzung am 11. März in Berlin wählte die Vertreterversammlung (VV) der KBV zudem ihren neuen Vorsitzenden sowie dessen Stellvertreter: Mit Hans-Jochen Weidhaas konnte sich dabei erstmals ein Psychologischer Psychotherapeut für das höchste Amt der der VV der KBV durchsetzen. Weidhaas ging als einziger Kandidat für den VV-Vorsitz ins Rennen und konnte 38 der 59 gültigen Stimmen auf sich vereinen.
Die Herausforderungen der kommenden Amtsperiode brachte der neue KBV-VV-Vorsitzende Weidhaas in einer Pressekonferenz im Anschluss an die konstituierende Sitzung auf den Punkt: „Wir müssen diejenigen, die uns heute ihre Stimme noch nicht gaben, mitnehmen.“
Keine leichte Aufgabe, die sich Jochen Weidhaas hier vorgenommen hat, wenn man bedenkt, dass die Akzeptanz der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) durch die ärztliche Basis immer mehr abnimmt. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Brendan-Schmittmann-Stiftung des NAV-Virchow-Bundes mit dem Titel "Die Entwicklung ausgewählter Aspekte vertragsärztlicher Tätigkeit der letzten 15 Jahre". Danach hält lediglich ein Fünftel der befragten Ärzte die KVen heute noch für unverzichtbar. Im Jahr 2004 seien es noch rund 30 Prozent gewesen. Mehr als ein Drittel sei sogar der Meinung, dass die Selbstverwaltungsorgane vollkommen überflüssig seien (Quelle: Neuro Online vom 27.4.2011)
Waltraud Deubert