Ergebnisse der Honorarverhandlungen für 2015
Die diesjährigen Honorarverhandlungen zwischen KBV und GKV-Spitzenverband sind überraschend zügig und ohne Einschalten des Schiedsamtes bereits Ende August zu einem Ergebnis gekommen.
Mit einer gewissen Verwunderung über die Schnelligkeit der Einigung wurde das Verhandlungsergebnis durch die Fachwelt aufgenommen. In früheren Jahren, unter der Ägide des Vorgängers von KBV-Chef Gassen, Andreas Köhler, gestalteten sich die Verhandlungen häufig als äußerst langwierig.
Ein Grund für die rasche Einigung ist in den mittlerweile wieder regionalen Honorarverteilungsmaßstäben zu sehen, dadurch ist die Bedeutung der Verhandlungen auf der Bundesebene eingeschränkt. Insgesamt stehen den VertragsärztInnen und -psychotherapeutInnen im Jahr 2015 über 800 Mio. Euro mehr für die Behandlung gesetzlich krankenversicherter Patienten zu. Die sog. Preise für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen steigen ab Januar 2015 um 1,4 %. Außerdem stellen die Krankenkassen im nächsten Jahr 264 Mio. Euro zusätzlich zur Förderung der haus- und fachärztlichen Grundversorgung bereit.
Wir möchten im Folgenden die Ergebnisse, die für die niedergelassenen ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen in Deutschland ab 1.1.2015 gelten, stichwortweise vorstellen (Informationen: KBV, Themenseite Honorar, www.kbv.de/html/2054.php/):
Orientierungswert
Mit einer Erhöhung des Orientierungspunkt-wertes (OPW) wird ab 1.1.2015 eine Steigerung von 1,4 % erzielt. Der Orientierungspunktwert liegt ab 1.1.2015 bei 10,2718 Cent (zuvor: 10,13 Cent). Für eine genehmigungspflichtige Psychotherapiestunde werden dann 84,13 € (819 Punkte x 10,2718) vergütet (zuvor 82,96 €). Probatorische Sitzungen werden mit 63,79 € (621 Punkte x 10,2718) honoriert (zuvor 62,90 €). Unterm Strich wird eine Praxis mit ca. 1.000 € mehr für die genehmigungspflichtigen Leistungen rechnen können.
264 Millionen Euro zusätzlich für Strukturleistungen
Zur Förderung von haus- und fachärztlichen Grundleistungen stellen die Krankenkassen im kommenden Jahr 264 Mio. Euro zusätzlich bereit. Dieses Geld fließt zu gleichen Teilen – jeweils 132 Mio. Euro – in die haus- und in die fachärztliche Versorgung. Fachärzte erhalten ab Januar 2015 einen Zuschlag zur Pauschale für die fachärztliche Grundversorgung (PFG). Der Zuschlag wird extrabudgetär und damit in voller Höhe gezahlt.
Die Anpassung des kalkulatorischen Arztgehaltes an die gestiegenen Oberarztgehälter von Krankenhausärzten soll im Rahmen der Weiterentwicklung des EBM mit Wirkung zum 1. Januar 2016 erfolgen. Nach Berechnungen der KBV müsste das kalkulatorische Arztgehalt statt bei derzeit rund 105.000 bei rund 133.000 Euro liegen, damit Vertragsärzte und –psychotherapeutInnen (!) aus der Behandlung von Kassenpatienten ein annähernd ähnliches Einkommen erzielen können wie Oberärzte.
Dieser Punkt ist für PsychotherapeutInnen nur teilweise interessant, da der größere Teil der psychotherapeutischen Leistungen mittlerweile ja ausbudgetiert wurde. Für eine weitergehen-de Ausbudgetierung der Gesprächsleistungen wird durch die Vertreter unseres Berufsstands in den Gremien der KBV immer wieder geworben. Man erhofft sich damit, eine Verbesserung der Versorgung erzielen zu können.
Morbiditätsbedingte Veränderungsraten beschlossen
Bereits beschlossen wurden die demografischen beziehungsweise diagnosebezogenen Veränderungsraten für die einzelnen KV-Bezirke (mit Ausnahme von Baden-Würt-temberg, wo die Berechnungen aufgrund eines Datenfehlers erst noch erfolgen). Danach müssen die Kranken-kassen für den steigenden Behandlungsbedarf ihrer Versicherten im nächsten Jahr rund 100 Mio. Euro mehr bereitstellen. Über die genauen Summen werden die Kassenärztlichen Verei-nigungen ab Herbst mit den Krankenkassen vor Ort verhandeln müssen.
Der weiterhin wichtigste Aspekt, der zu einer Verbesserung der Honorar-Situation für Psychotherapeuten führen kann, ist die längst überfällige Überprüfung der angemessenen Vergütung durch den Bewertungsausschuss. Es besteht weiterhin Hoffnung innerhalb unserer Berufsgruppe, dass der Aktionstag am 25. September in Berlin doch noch Früchte tragen wird.
Kerstin Burgdorf