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Aktuelles

Gender and Health

15. Januar 2007

Bericht von der 1. internationalen Konferenz "Gender and Health", vom 16.-19.9.2002 in Wien

 

Von Blindheit sind zu 64% Frauen und zu 36% Männer betroffen. Die Katarakt Blindheit könnte auf 12,5% reduziert werden, wenn Frauen ähnlich häufig wie Männer Zugang zur Behandlung erhielten. Das Beispiel macht deutlich, wie schlecht der Zugang zur Versorgung in einigen Bereichen für Frauen noch ist. Die gesundheitspolitische Schieflage von Maßnahmen wird deutlich, wenn folgende Zahlen betrachtet werden: Europaweit sterben Frauen zu 47% an kardiovaskulären Erkrankungen, Männer zu 39%. An Krebs sterben Frauen zu 22% und Männer zu 28%. Brustkrebs ist ein großes versorgungspolitisches Thema, Herzkreislauferkrankungen bei Frauen jedoch nicht. Bei den Männern verhält es sich umgekehrt.

Gender, also das soziale Geschlecht, in Statistik, Behandlung und Prävention, in Forschung und Praxis zu beachten, gendersensitive Instrumente zu entwickeln und angemessene Maßnahmen zu entwickeln, war Hauptthema der ersten internationalen Konferenz Gender and Health in Wien, die mit rund 340 Teilnehmenden aus 30 Ländern vom 16.-19.9.2002 stattfand.

Unter dem Stichwort Gender Mainstreaming wurde neben Frauengesundheit auch Männergesundheit bearbeitet. Das European Men's Health Forum (mhf) präsentierte sich einerseits als unabhängige Non-Profit-Organisation, wird jedoch von der Pharmaindustrie und der Autorennsportbranche finanziert. Nationale Zusammenschlüsse oder Foren zu Männergesundheit existieren bisher in der Schweiz, in Großbritannien und Irland. Ein kleines Projekt aus Dublin, das ein Allgemeinmediziner durchführte, zeigte, dass 60% der Männer im Einzugsbereich seiner Praxis sehr wohl das Angebot zu einem "wellmen check" in Anspruch nahmen. Der Arzt bot dann Achtwochen-Module zu den Themen Stress- und Ärgermanagement, Ernährung und Alkohol sowie zur Raucherentwöhnung an. Einzig das Thema Stress- und Ärgermanagement stieß auf großes Interesse.

Die europäische Vereinigung der Frauengesundheitsforscherinnen (EAWHR) sowie das Europäische Frauengesundheitsnetzwerk (EWHNET) trugen dazu bei, dass zur Frauengesundheit eine Vielzahl von Projekten aus Forschung und Praxis präsentiert wurden, von der Forschung in der Medizin über gendersensible Ausbildung der Gesundheitsberufe bis zu den klassischen Themen der Frauengesundheit wie Reproduktion, Gewalt, Essstörungen.

Prof. Ilona Kickbusch beschrieb den Zusammenhang zwischen Gender und Globalisierung. Globalisierung sei ein sozialer Prozess, der nicht genderneutral sei. Er habe positive und negative Effekte für Frauen und Männer. Bisher sei Globalisierung noch zu wenig in Beziehung zu Gender und Genderpolitik analysiert worden. Viele der hauptsächlichen internationalen Herausforderungen für Gesundheit hätten mit Macht und fehlender Geschlechtergleichheit zu tun, z.B. Müttersterblichkeit, reproduktive Rechte, Gewalt und Altern. Die globalen Prozesse von Ein- und Ausschluss bringen das Potential für eine Neuordnung des Geschlechterverhältnisses mit sich. A. Giddens und M. Castells behaupteten sogar, dass die durch Globalisierung angestoßenen sozialen Prozesse das Patriarchat zu Fall bringen würden.

Globalisierung habe viele negative Effekte: Sex und Frauenhandel sowie Krankheiten seien globalisiert. Hier sind HIV/AIDS und die globale Tabakepidemie zu nennen. Aber es gäbe auch positive Aspekte. So sei durch die Globalisierung ein noch nie dagewesener Grad an Mobilisierung möglich, der in den territorialen Politiken nicht erreichbar sei. Globalisierungsprozesse beeinflussten die Gesundheit, wobei die Genderbeziehungen ein Weg sein könnten, die Gesundheit zu verbessern.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diskutierte auf der Konferenz, wie Gender Mainstreaming von der WHO selbst nach innen und nach außen umgesetzt werden könnte. Grundlage dafür ist das Madrider Statement zu Gender Mainstreaming, das im September 2001 von der WHO beschlossen wurde. Die Konferenz verabschiedete dazu Empfehlungen.

Das Madrid Statement "Mainstreaming gender equity in health: The need to move forward" ist zu beziehen über: Gender Mainstreaming Programme, WHO Regional Office for Europe, Scherfigsvej 8, DK-2100 Copenhagen, Denmark, Tel: 0045- 39 17 12 95, Isabel Yordi, email: IYO@who.dk

Ute Sonntag
Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen e.V.
Fenskeweg 2
30165 Hannover
Tel 0511 3500052
Fax 0511 3505595

Quelle: VPP 4/2002