Gesundheitspolitische Notizen
Plädoyer für Softdrink-Steuer
Diabetes-Experten in Deutschland haben die Ankündigung der britischen Regierung, eine Zuckersteuer für Softdrink-Unternehmen zu erlassen, begrüßt. „Dieser Beschluss sollte uns in Deutschland ein Vorbild sein, weil eine solche Steuer hilft, Übergewicht und Diabetes zu verhindern“, sagte Professor Dr. Dirk Müller-Wieland, Vizepräsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Die britische Steuer setzt Unternehmen den ökonomischen Anreiz, den Zuckergehalt in ihren Getränken zu reduzieren, und das ist genau die richtige Strategie“, erklärte Professor Dr. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE- Deutsche Diabetes-Hilfe. Die Steuer könnte beispielsweise eine Zweiliterflasche einer No-Name-Cola um bis zu 80 Prozent verteuern.
Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft 4/2016
Gesundheitskosten weiter gestiegen
Die Bundesbürger haben im Jahr 2014 insgesamt 328 Milliarden Euro in Gesundheit investiert. Dies bedeute einen Anstieg von 13,3 Milliarden Euro oder 4,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013, so das Statistische Bundesamt. Auf jeden Einwohner entfielen Ausgaben in Höhe von 4.050 Euro. Im Jahr 2013 waren es 3.902 Euro. Größter Ausgabenträger im Gesundheitswesen sei die gesetzliche Krankenversicherung gewesen. Ihre Ausgaben hätten sich auf 191,8 Milliarden Euro belaufen – 10,1 Milliarden oder 5,6 Prozent mehr als im Jahr 2013.
Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft 4/2016
Soziale Einbindung verlängert Leben
Nach Eintritt in den Ruhestand scheinen soziale Aktivitäten einen entscheidenden Einfluss auf Langlebigkeit und Wohlbefinden zu haben. Das ist Ergebnis einer Studie der University of Queensland School of Psychology. Das Team um Dr. Niklas Steffens beobachtete in den ersten sechs Jahren nach Renteneintritt den Gesundheitszustand von Menschen, die mindestens 50 Jahre alt waren. Demnach schätzten Rentner ihre Lebensqualität um zehn Prozent geringer ein, wenn sie nach Renteneintritt den Kontakt zu sozialen Gruppen verloren hatten. Umgekehrt sank das Sterberisiko, je mehr sozialen Gruppen eine Person in den ersten Rentenjahren angehörte.
Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft 4/2016
Kindergesundheit - Befragung belegt soziale Ungleichheit
Was das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen anbetrifft, belegt Deutschland im internationalen Vergleich nur einen Platz im Mittelfeld. Dies geht aus der Health Behaviour of School-aged Children-Studie hervor, die unter Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation seit 1982 alle vier Jahre stattfindet. In der jüngsten Befragung äußerten sich 200.000 Schüler im Alter von 11, 13 und 15 Jahren in 42 Ländern zu ihrem Gesundheitsverhalten.
Die Befragung erfasste Angaben beispielsweise zum subjektiven Gesundheitsempfinden, zur Lebenszufriedenheit, zu psychosomatischen Beschwerden, Übergewicht, körperlichen Aktivitäten oder Konsum von Tabak oder Alkohol. Obwohl Deutschland eines der reichsten Länder in Europa sei, finden sich Unterschiede in der Gesundheit und im Gesundheitsverhalten der Schulkinder, die auf soziale Bedingungen des Aufwachsens zurückzuführen sind. Beim Übergewicht landen Kinder und Jugendliche in Deutschland laut Studie auf Platz 16 von 42. Positiv wurde bewertet, dass ein Großteil der Jugendlichen in Deutschland weder regelmäßig raucht noch Alkohol konsumiert.
Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft 4/2016
Neue Faktenboxen bereitgestellt
Ist es sinnvoll, einen Organspende-Ausweis auszufüllen? Antwort auf diese Frage gibt eine neue Faktenbox der AOK. Sie stellt auf einen Blick dar, warum Angehörige entlastet werden, wenn im Todesfall ein Ausweis vorhanden ist. Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stehen 80 Prozent der Befragten einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber. Diese Meinung wird aber nach wie vor selten in einem Ausweis dokumentiert: Nur 35 Prozent geben an, einen Spenderausweis zu besitzen. Eine weitere neue Faktenbox ist der Pflegeberatung gewidmet. Die AOK baut damit ihr bundesweites kostenloses Beratungsangebot zur Pflege weiter aus. Rund 700 Berater der Gesundheitskasse sind derzeit in Städten und auf dem Land im Einsatz, um Pflegebedürftige und pflegende Angehörige zu unterstützen. Beide Faktenboxen entstanden in Zusammenarbeit mit dem Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Sie ergänzen die bisher angebotenen elf AOK Faktenboxen zu Medizin und Gesundheitsthemen.
Weitere Infos: www.aok.de/faktenboxen
Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft 4/2016
Mehr Anstellung und Teilzeit
Bei den ambulant arbeitenden Ärzten und Psychotherapeuten hält der Trend zu Anstellungen und zu Teilzeit an. Das geht aus der aktuellen Ärztestatistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor. Danach hat sich die Zahl der angestellten Ärztinnen und Ärzte seit dem Jahr 2005 fast verzehnfacht: von 2.772 auf 27.174 Ende 2015. Allein vergangenes Jahr wuchs ihre Zahl um 10,6 Prozent. Laut KBV nahmen im Jahr 2015 insgesamt 167.316 Ärzte und Psychotherapeuten an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Obwohl sich ihre Gesamtzahl im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent erhöhte, stieg die Zahl der geleisteten Arztstunden nur um 0,2 Prozent: Grund dafür sei, dass mehr Ärzte und Psychotherapeuten Teilzeit arbeiten würden.
Weiter Infos: www.kbv.de
Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft 4/2016
Broschüre informiert über Sucht im Alter
Spezifische Hilfen für ältere suchtkranke Menschen hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, gefordert. „Dazu gehört, dass Pflegekräfte und Pflegeberater ausreichend qualifiziert sind“, erklärte die CSU-Politikerin anlässlich der Vorstellung einer neuen Broschüre der Fachstelle für Suchtprävention. Diese richtet sich an Fachkräfte in der Altenpflege und will diese im Umgang mit suchtkranken Senioren unterstützen. Schätzungen zufolge sind 15 Prozent der in Deutschland ambulant oder stationär betreuten älteren Menschen alkohol- oder medikamentenabhängig.
Weiter Infos: www.berlin-suchtpraevention.de>Shop>Broschüren
Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft 4/2016
Staat subventionierte Niedrigeinkommen
Rund 1,3 Millionen Erwerbstätige in Deutschland stockten 2014 ihr Einkommen mit Hartz-IV-Leistungen auf. Den Staat kostete diese Subventionierung von Niedrigeinkommen insgesamt 10,85 Milliarden Euro – das ist der höchste Wert seit der Wirtschaftskrise. Mit der Einführung des Mindestlohns 2015 sollten die Ausgaben deutlich sinken.
Weitere Infos: www.o-ton-arbeitsmart.de
Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege 3/2016
Datenreport über frühe Hilfen
Warum nehmen einige Familien Angebote der Frühen Hilfen an, andere jedoch nicht? Welche Familien profitieren besonders und wo besteht Handlungsbedarf? Antworten auf diese Fragen will der »Datenreport Frühe Hilfen 2015« liefern, der vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen in Kooperation mit der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik an der Technischen Universität Dortmund herausgegeben wurde. Der 76-seitige Datenreport steht im Internet zum kostenlosen Herunterladen zur Verfügung.
Weitere Infos: www.fruehehilfen.de
Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege 3/2016
Flüchtlingskinder in Tageseinrichtungen
Im Auftrag des Deutschen Jugendinstituts ist eine Rechtsexpertise zum Thema Flüchtlingskinder und ihre Förderung in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege erarbeitet worden. In dieser setzen sich die Verfasser auf knapp 80 Seiten mit den Rechtsgrundlagen auseinander, die einen Zugang zu Angeboten der Kindertagesbetreuung begründen. Auch wird thematisiert, welche weiteren Zugangsmöglichkeiten für Flüchtlingskinder bei der Nutzung frühkindlicher Bildungsangebote bestehen. Zentrale Ergebnisse der Expertise werden in den Nationalen Bildungsbericht 2016 einfließen. Die Veröffentlichung kann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden.
Weitre Infos: www.dij.de
Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege 3/2016
App für straffällig gewordene Jugendliche
Die Smartphone-App »Geh Deinen Weg« informiert Jugendliche und ihre Familien darüber, was in verschiedenen Situationen eines strafrechtlichen Verfahrens zu beachten, zu tun und was unbedingt zu unterlassen ist. Ziel ist es, über die App Informationen und Tipps zugänglich zu machen, um das persönliche, finanzielle und soziale Desaster so gering wie möglich zu halten und Fehlschritte zu vermeiden. Neben der Smartphone-App (Web-App für Apple iOS, für Android kostenlos im Google Play Store erhältlich) liegt die App ebenfalls als CD in einer Desktop-Version für Windows vor. Sie dient als Unterrichts- und Schulungsmaterial für alle pädagogischen Fachkräfte in der sozialen Arbeit mit delinquenz-gefährdeten oder straffällig gewordenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Weite Infos: www.destatis.de
Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege 3/2016
Neue medizinische Leitlinie Demenzen
Nur die Hälfte der Demenzkranken werden in der Versorgung als solche erkannt, noch weniger erhalten eine Behandlung nach den medizinischen Standards. Nach mehr als fünf Jahren Arbeit stellen Neurologen und Psychiater die vollständig überarbeitet „Leitlinie Demenzen“ vor. 23 Fachgesellschaften, Berufsverbände und Organisationen von Medizinern, Therapeuten, Pflegepersonal und Patienten haben sich auf Regeln für die Diagnostik und die Behandlung geeinigt. Das Recht des Patienten auf Nichtwissen bleibt bestehen: Die Frühdiagnostik kann nur nach vorheriger Aufklärung durch einen ausgewiesenen Experten, mit Einwilligung des Patienten und mit der entsprechenden Betreuung nach Diagnosestellung erfolgen.
Weitere Infos: www.dgppn.de/publikationen/s3-leitlinien-demenz.html
Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege 3/2016
Handreichung für die Betreuung und Unterstützung von LSBTTI*-Flüchtlingen
Die Publikation wurde gemeinsam vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) und dem Paritätischen Gesamtverband mit Unterstützung der Hirschfeld-Eddy-Stiftung herausgegeben. Gefördert wurde die Erstellung der Publikation durch die Beauftrage der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.
Flüchtlinge mit LSBTTI-Hintergrund sind, wie etwa Schwangere, Menschen mit Behinderung, Opfer des Menschenhandels und unbegleitete Minderjährige, als besonders schutzbedürftige Menschen anzusehen.
Die Broschüre finden Sie zum Download über www.der-paritaetische.de/download/lsbtti.
INFO: Die Abkürzung LSBTTI* steht für: L=Lesben, S=Schwule, B=Bisexuelle, T=Transsexuelle, T=Transgender, I=Intersexuelle, *=Vielfalt geschlechtlicher und sexueller Identitäten
Weitere Infos: www.der-paritaetische.de
Quelle: Der Paritätischer Gesamtverband
Niederlande - Demente nutzen Sterbehilfe häufiger
Im Vergleich zum Vorjahr ist in den Niederlanden der Anteil von Menschen mit einer Demenz, die 2015 aktive Sterbehilfe in Anspruch genommen haben, um vier Prozent gestiegen. 109 Demenzbetroffene seien unter den insgesamt 5.516 Sterbewilligen gewesen, teilten niederländischen Medien Ende April mit. Die Zahlen beruhen auf einem Bericht der zuständigen Prüfungskommission. Meist scheinen sich Betroffene zu einem Zeitpunkt für die Sterbehilfe zu entscheiden, an dem die Demenz noch nicht weit fortgeschritten ist.
Ebenfalls gestiegen sei auch die Zahl der Menschen, die ihr Leben aufgrund einer psychischen Erkrankung beenden wollten, wurde mitgeteilt (56 Menschen in 2015, 41 Menschen in 2014). In diesem Zusammenhang ist eine Studie von US-amerikanischen BioethikerInnen interessant, in der Zweifel am niederländischen Sterbehilfesystem formuliert werden. Untersucht wurden 65 Berichte von psychiatrischen PatientInnen, die zwischen 2011 und 2014 aktive Sterbehilfe in Anspruch genommen hatten. Bei 36 Personen war eine depressive Störung die Hauptdiagnose. Als Gründe für den Sterbewunsch gaben 37 Betroffene „soziale Isolation“ und „Einsamkeit“ an, in 21 Fällen war zuvor ein Antrag abgelehnt worden. Daraus leiten die BioethikerInnen ab, dass für die Bewilligung der Sterbehilfe ausschlaggebend sei, wie geschickt die PatientInnen ihren Sterbewunsch formulierten. Ob das System über ausreichend Kontrollmechanismen verfüge, bleibe offen.
Quelle: aerzteblatt.de
Waltraud Deubert