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Kein Ausverkauf der Psychiatrie

10. Dezember 2010

Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie protestiert gegen direkte Verträge zwischen Pharmafirmen und Krankenkassen. Die DGVT unterstützt eine entsprechende Resolution.

 

Keine Versorgungsverträge zwischen Pharmaindustrie und Krankenkassen

Eigentlich hört es sich gut an: Die rund 13.000 AOK-PatientInnen in Niedersachsen, die an Schizophrenie erkrankt sind, können sich für das Konzept „Integrierte Versorgung Schizophrenie“ entscheiden, das ihnen ein weitgehend normales Leben außerhalb des Krankenhauses ermöglichen soll. Der Haken an der Sache: Für die Versorgung zeichnet das „Institut für Innovation und Integration im Gesundheitswesen – I3G – verantwortlich, eine Tochtergesellschaft des forschenden Arzneimittelherstellers Janssen-Cilag. Direkte Verträge zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen stellen nach Ansicht von Fachleuten einen gefährlichen Paradigmenwechsel in der medizinischen Versorgung dar. Deshalb unterstützt die DGVT die Resolution der DGSP (Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie e.V.): Kein Ausverkauf der Psychiatrie!

In der Resolution heißt es wörtlich: „Wir wollen eine Versorgung, die sich an den Bedürfnissen von Patienten und Angehörigen sowie an modernen wissenschaftlichen Leitlinien ausrichtet und nicht an den Produkt- und Gewinninteressen von Pharmafirmen. Es geht uns um eine umfassende Therapie, die sich nicht auf Medikamente reduzieren lässt.

Wir fordern die Politik auf, die Novellierung des §140b SGB 5 zurückzunehmen.“

Der Paragraph regelt die Integrierte Versorgung und ermöglicht Verträge zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern. Erstmals ist nun ein Tochterunternehmen eines Pharmakonzerns beteiligt, und das AMNOG, das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes, ermöglicht ab 2011 sogar direkte Verträge zwischen Pharmaunternehmen und Krankenkassen.

In der Resolution werden die Krankenkassen des Weiteren aufgefordert, sich solchen Verträgen im Interesse ihrer Mitglieder zu verweigern. An die Leistungserbringer wird appelliert, die „gute Idee der Integrierten Versorgung nicht durch die Beteiligung der Pharmaindustrie zu verraten“.

Resolution der DGSP - Keine Versorgungsverträge zwischen Pharmaindustrie und Krankenkassen