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Aktuell

Krisen und Traumata: Psychotherapeuten können helfen – und verlangen von der Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen

06. April 2011
 

Manche kommen mit dem Tod eines Angehörigen nicht zurecht – ein Erlebnis, das zum „normalen“ Leben dazugehört –, andere stecken schreckliche Erfahrungen wie Folter scheinbar problemlos weg. Die Ursachen für Krisen und Traumata sind sehr unterschiedlich, und höchst individuell reagieren die betroffenen Personen darauf. Psychotherapeuten und -therapeutinnen aus ganz Deutschland haben sich am Wochenende auf Einladung der DGVT (Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V.) in Tübingen zu diesem Thema fortgebildet.

Die Psychotherapie verfügt bei der Behandlung von Krisen und Traumata über bewährte Methoden. Neben der allgemeinen Kognitiven Verhaltenstherapie wurden mittlerweile auch mehrere spezielle Ansätze entwickelt, die sich als wirksam erwiesen haben. Der erste Schritt sei jedoch eine genaue Diagnose, betonte Anne Linkemann vom DGVT-Organisationsteam. „Im Anschluss daran können wir mit unseren hochwirksamen Methoden eingreifen.“ Diagnosen zu stellen und aus dem Angebot an Behandlungsmethoden die richtige auszuwählen - beides wurde bei der Tagung in 22 Workshops und zehn Fallseminaren gelehrt.

„Zwischen Krise und Trauma – Psychotherapie und Verarbeitung belastender Lebensereignisse“ – dieses Tagungsmotto lockte rund 400 Psychotherapeut/innen aus ganz Deutschland an. „Eine Rekordteilnehmerzahl“, wie Linkemann kommentierte. Krisen und Traumata seien zentrale Themen in der Psychotherapie, womit sich das große Interesse an der Tagung erklären dürfte.

Therapeut/innen können jedoch nur vernünftig arbeiten, wenn die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen stimmen. „Die Gesundheitspolitik muss die Versorgung verbessern.“ Dies forderte Dr. Heiner Vogel vom DGVT-Vorstand. Die Nachfrage nach Psychotherapie sei viel größer als das Angebot. Das liege nicht etwa am Personalmangel – ausgebildete Therapeut/innen gibt es genügend –, sondern daran, dass die entsprechenden Zulassungen zur Mitwirkung an der Versorgung seitens der Kassenärztlichen Vereinigungen sich nicht am Bedarf, sondern an veralteten Richtwerten orientierten, die – gerade für den Psychotherapiebereich – Fehl- und Unterversorgung stabilisierten. So müssten Patienten mitunter sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bis sie einen Therapieplatz bekommen. „Bei schweren Depressionen kann dies zu einer Chronifizierung führen, die kaum noch zu behandeln ist“, warnte Vogel.