Kurzbericht zur Statuskonferenz „Kompetenzentwicklung in der Gesundheitsförderung“
Am 20.03.2014 fand die Tagung „Kompetenzentwicklung in der Gesundheitsförderung“ der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung (BVPG) an der Alice Solomon Hochschule Berlin statt. Ziel ist eine international anerkannte Struktur eines allgemeinen Berufes der Gesundheitsförderung zu entwickeln. Im Mittelpunkt dieser Tagung stand die Frage, welche Qualifikationen der oder die gesundheitsförderliche/n Beruf/e haben sollten. Diskussionsvorlage war eine Sammlung auf europäischer Ebene von dafür notwendigen Kompetenzen (bei Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung/BZGA zu bestellen; Konzepte Band 5, ISBN 978-3-942816-49-6). Im Mittelpunkt der Sammlung stehen ethische Werte wie das Menschenrecht „Gesundheit“. Kernkompetenzen um diese Wertegruppierung liegen zwischen Advocacy (Patientenanwaltschaft), Befähigung und Vermittlung, die sich an die allgemeinen Zirkel der Qualitätssicherung der Gesundheitsförderung orientiert. Dabei werden Kernkompetenzen wie Partizipation formuliert, die u.a. gesundheitsförderliche Veränderungen und intersektorale Beratung ermöglichen. Dafür wird eine lange Liste von Wissen und Fähigkeiten vorgeführt. Der Kern dieser Bemühungen sind die nach Bologna angezielten europäisch vereinheitlichten Linien entsprechender Studiengänge. Dabei ist unklar, ob es einen übergreifenden Beruf der Gesundheitsförderung gibt (seit 1998 in der BRD studierbar). Viele drängen auf den Markt, nicht nur omnipotenten Gesundheitsförderer sondern auch viele andere Berufe, nachdem die präventive Wende immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Auf diesem Hintergrund werden Grundlagen wie evidenzbasierte Konzepte der Gesundheitsförderung vorgestellt, deren Praktikabilität diskutiert wurde. Bei der Suche nach geeigneten Kompetenzen im Detail wird der Begriff der Zielgruppenspezifität in Frage gestellt und settingorientierte Konzepte werden dagegen gehalten. Dabei gilt der Prozess der Partizipation als zentral. Konservativ bleiben aber Vermittlung von Wissen und anwendungsspezifische Trainingsprogramme, wie sie die BZGA anbietet. In verschiedenen Teilgruppen wurden Anwendungszusammenhänge wie Kindertagestätten und Öffentlichkeitsarbeit diskutiert, aber auch der Bereich der sozialen Handlungsfelder und an Bildungsinstitutionen beheimateten Initiativen vorgestellt und dabei die allgemeinen Leitlinien herunter gebrochen. Am Ende blieben einfache Einteilungen wie fachliche und kommunikative bzw. persönliche Kompetenzen. Ansonsten überwogen klassische Konzepte wie die Salutogenese. Betriebliche Gesundheitsförderung richtet sich an Anbieter der verschiedensten Berufe. In Frage gestellt wurde, ob nicht letztlich der Markt die Anbieter und damit auch die dahinterstehenden Kompetenzen auswählt.
In kommunal bezogenen Gesundheitsförderungsprogrammen wurden vor allem die sozialen Schieflagen angesprochen und über ein sog. Präventionskettenprinzip lebenslauforientierte und damit kommunale Anbieterstrukturen angesprochen. Insgesamt wurden viele Konzepte kurz angerissen und warten noch auf eine vertiefte Diskussion. Dass diese notwendig ist, zeigt die unterschiedliche Sprachlichkeit der sehr unterschiedlichen Berufe, die in der BVPG organisiert sind, vom Ergotherapeuten bis hin zum Psychotherapeuten. Die frei gegebenen Präsentationen der Statuskonferenz „Kompetenzentwicklung in der Gesundheitsförderung“ können eingesehen werden über den nachfolgenden Link: https://www.wuala.com/Dienstordner%2003/?key=8IOm4rjvlHBF
Bernd Röhrle, Marburg