Themenschwerpunkt: Arbeitszeiten bei Niedergelassenen
In dieser Ausgabe von VPP werden Themenschwerpunkte der Niedergelassenen weiter fortgesetzt. Das Thema Arbeitszeiten halten wir für besonders wichtig, weil dieses einerseits in der Berufsgruppe und auch im System der GKV umstritten und andererseits in der Vergangenheit immer wieder mit zurückhaltendem Schweigen behandelt worden ist. Ein solches Verhalten signalisiert, dass es hier um ein so genanntes "heißes" Thema geht. Dies soll uns aber nicht hindern, es anzupacken.
Wurde in der letzten Ausgabe von VPP deutlich gemacht, wie sich auf der Basis eindeutig empirischer Daten die Arbeitszeiten - operationalisiert als Sitzungen - im Rahmen der GKV darstellen, sollen in dieser Ausgabe die eher sagenumwobenen Non-GKV-Leistungen behandelt werden. Um diese ranken sich bisher nur Einschätzungen, die in Form von unterschiedlichen Gerüchten kolportiert werden. Mal werden diese als beträchtlich, mal als besonders einträglich, mal als außerordentlich hoch eingestuft. Eine klare Berechnung wurde bisher nicht durchgeführt. Man muss aber auch realistischerweise anführen, dass die empirische Basis hierfür unzureichend ist.
Doch ist es möglich in einem nüchternen Kalkül den Rahmen der Non-GKV-Leistungen, in dem sich diese mit großer Wahrscheinlichkeit bewegen, abzuschätzen. Unsere Fachgruppenkollegin Marianne Funk hat sich dieser Aufgabe mit Sorgfalt gewidmet.
Wie schon in der vorangegangenen VPP ausgeführt, weisen die Ergebnisse unserer Untersuchungen immer wieder in die gleiche Richtung, wenn es um die Obergrenze unserer Wochensitzungszahl geht. Das Verhalten der GKV-KollegInnen bestätigt die eindeutige Tendenz, dass diese sich offenbar nur zu einem geringem Teil auf eine in der nächsten Ausgabe von VPP noch näher auszuführenden Sitzungszahl von über 25-27 Sitzungen (unterschiedlich pro KV-Bereich) in ihrer Leistungsfähigkeit eingerichtet haben. Der vorliegende Beitrag bestätigt dieses Ergebnis. Dem zusätzlichen Nebenverdienst außerhalb der GKV-Leistungen sind enge Grenzen gesetzt.
Man kann in diesem Zusammenhang auch die Frage stellen, ob die Vielarbeit von TherapeutInnen der Qualität der Therapieergebnisse abträglich ist. Dazu gibt eine jüngst veröffentlichte Studie, von der in der Zeitschrift "Psychologie Heute" berichtet wird [1], vielleicht einen ersten Fingerzeig.[2]
Im Zusammenhang mit unseren Erkundungen könnte die Tatsache, dass auffallend wenige der GKV-TherapeutInnen mehr als 25-27 Sitzungen pro Woche wahrnehmen, eine Art Selbstkontrollmechanismus zum Erhalt der eigenen Gesundheit und Effektivität sein.
Die Fachgruppe wird sich weiter mit der Thematik eingehend befassen und voraussichtlich schon in der nächsten Ausgabe in den Zusammenhang mit unserem Thema stellen.
Werner Lemisz, Wolfgang Palm, Marianne Funk
[1]Psychologie Heute (2005), Heft 7, S. 18.
[2]Vocisano, C. et al. (2004), Therapist Variables That Predict Symptom Change in Psychotherapy With
Chronically Depressed Outpatients. Psychotherapy: Theory, Research, Practice, Training. 2004 Vol.
41(3) 255-265.
Quelle: VPP 3/2005