Unabhängige Patienten-beratung Deutschland[1]
Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) berät seit 2006 Patientinnen und Patienten in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen (§ 65b SGB V). Der jetzt vorliegende „Monitor Patientenberatung 2014“ zeigt einen hohen Informations- und Beratungsbedarf bei den Versicherten. Im Berichtszeitraum vom 1. April 2013 bis zum 31. März 2014 wurden in 21 regionalen Beratungsstellen und einem bundesweiten Beratungstelefon insgesamt 80.008 Beratungsgespräche anonym erfasst. „Problemlagen“ wurden von der UPD bei dem Angebot der Ärzte zu individuellen Gesundheitsleistungen, beim Krankengeld-Fallmanagement und bei der Verordnung von Arzneimitteln identifiziert.
In dem Bericht wurden fünf Beratungsschwerpunkte genannt:
Patientenrechte: Patientenrechte, Berufspflichten und Verhaltensnormen bilden mit 14.633 Beratungsgesprächen einen Themenbereich mit der zweithöchsten Steigerungsrate und einem der höchsten Anteile an dokumentierten Beschwerden und Hinweisen auf Problemlagen. Thematisiert wurden hier Organisationspflichten (z.B. Vorhalten eines hinreichenden Personalstandes und hinreichender Sachausstattung in den Krankenhäusern), die Gewährung notwendiger Behandlungen und die Gewährleistung von Behandlungskontinuität durch Ärzte und Therapeuten.
Hierzu der Bericht: Auffällig ist ein Beschwerdezuwachs seitens der Ratsuchenden im Bereich der Richtigkeit von Rechnungen. Eine gesteigerte Aufmerksamkeit verdient auch der sehr hohe Anteil an dokumentierten Beschwerden und Problemlagen zu Geldforderungen im Kontext einer individuellen Gesundheitsleistung (IGeL). Dies gilt insbesondere für die wirtschaftliche Aufklärung vor der Durchführung einer individuellen Gesundheitsleistung und die Zulässigkeit der privaten Abrechnung von Kassenleistungen.
Ansprüche gegenüber Kostenträgern: In 27.740 Beratungsgesprächen ging es um (mögliche) Ansprüche von Versicherten gegenüber den Kostenträgern des Gesundheitswesens. Leistungsrechtliche Fragestellungen sind der am häufigsten nachgefragte Themenbereich im Beratungsgeschehen der UPD mit dem größten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.
Hierzu der Bericht: Beraterinnen und Berater berichten, dass gerade das Thema Krankengeld besonders angstbesetzt sei. Die Beraterinnen und Berater beobachten in diesem Kontext, dass sich Ratsuchende vom Krankengeld-Fallmanagement ihrer Krankenkasse unter Druck gesetzt fühlen. Zudem würden neue Richtlinien und Veränderungen in Leistungskatalogen und Rabattverträgen bei den Ratsuchenden zu großer Verunsicherung führen.
„In über 80 Prozent der Beratungsgespräche bei der UPD zum Thema Krankengeld gab es keinen Hinweis auf eine Problemlage“, erklärt Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes (GKV-SV), zu diesem Bereich im „Monitor Patientenberatung 2014“. Dies mache deutlich, dass die Krankenkassen auf dem richtigen Weg seien. Aber auch die von der UPD genannten 1.355 Fälle mit Hinweisen auf eine Problemlage zum Thema Krankengeld seien natürlich Anstoß, noch bestehende Schwächen zu identifizieren und zu beheben.
Behandlungsfehler: In 7.132 Beratungsgesprächen hat die UPD zum Thema Behandlungsfehler beraten. Diesem Beratungsschwerpunkt wurden alle jene Gespräche zugeordnet, in denen ein Verdacht auf Behandlungsfehler im Raum steht.
Dazu der Bericht: Die Beraterinnen und Berater berichten von großen Vorbehalten und Berührungsängsten auf Seiten der Ratsuchenden gegenüber den Ärztekammern und Krankenkassen. Das finanzielle Risiko eines Rechtsstreites sowie die psychische Belastung, die mit der Dauer gerichtlicher Verfahren einhergeht, würden Betroffene davon abhalten, ihre Rechte tatsächlich einzufordern.
Probleme im sozialen und häuslichen Umfeld: Probleme im sozialen und häuslichen Umfeld stehen mit 4.804 Beratungsgesprächen und einem Anteil von 6 Prozent an allen Beratungskontakten auf dem zehnten Platz der häufigsten Beratungsthemen.
Arzneimittelberatung: Neben ihrer themen- und indikationsübergreifenden Beratung bietet die UPD auch Unterstützung speziell bei Fragen zu Arzneimitteln an. Im Berichtszeitraum verzeichnete dieses Angebot 2.977 Beratungsgespräche.
Dazu der Bericht: Beschwerden der Ratsuchenden in der Arzneimittelberatung richteten sich vor allem gegen niedergelassene Ärzte im Kontext der Verordnung von Arzneimitteln. Beraterinnen und Berater weisen darauf hin, dass bei den Ratsuchenden häufig keine leitliniengerechte Medikation erfolgt sei. Zudem mangele es an einer koordinierenden Instanz, die insbesondere Wechselwirkungen, bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer Arzneimittel überwacht.
Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten und Bevollmächtigte für die Pflege, Staatssekretär Karl-Josef Laumann MdB (CDU), hat bei der Bewertung der Ergebnisse des „Monitor Patientenberatung 2014“ erklärt: „Beim Anspruch auf Krankengeld gibt es ganz offensichtlich Handlungsbedarf bei den Krankenkassen.“ Es ginge auch nicht, so sagte er, dass Ärzte Patienten erst dann ins Wartezimmer ließen, wenn sie sich mit einer IGeL-Behandlung einverstanden erklärt hätten.
[1] Quelle: Newsletter gid, Ausgabe Nr. 20/Nr. 21, 16.07.2014; Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.